Notfallmanagement für Archive, Bibliotheken, Museen und Verwaltungen

Teil 3: Im Notfall schnell und zielgerichtet handeln. Die konkreten Handlungen bei Notfallsituationen

So versorgen Sie Ihre Objekte im Notfall

 

Der Zeitfaktor ist bei der Bewältigung eines Notfalls entscheidend.

Die Bestände in Archiven und Bibliotheken bestehen zum größten Teil aus Papier. Das bringt vielfältige Probleme mit sich, denn die Papierfasern quellen bei Wasserkontakt stark auf. Zudem quellen auch die enthaltenen Bindemittel, zum Beispiel Stärkekleister, Gelatine oder synthetische Klebstoffe und verändern die Oberfläche der Papiere.

Alte Schreibmittel, wie Eisengallustinten sind wasserfest und dürften sich kaum verändern. Eisengallustinten sind Tinten, welche früher aus Galläpfeln und der Zugabe von Eisen hergestellt wurden. In manchen Fällen wurde jedoch Rußtinte beigegeben, welche sich durch den Wassereinfluss verändern kann. Auch Druckfarbe ist zumeist haltbar. Anders sieht es jedoch bei Akten aus, welche im 19. und 20. Jahrhundert mittels Farbstofftinten beschrieben oder gestempelt wurden. Diese Tinten können bis zur Unleserlichkeit auslaufen und die umliegenden Bereiche verfärben. Auch moderne Schreibmittel wie Faserstifte oder Tintenroller sind nicht wasserfest.

Papier, welches feucht geworden ist, verändert neben der Dimension auch das Gewicht. So ist mit einem 2 bis 2,5-fachen Gewichtszuwachs zu rechnen. Nasse Seiten reißen schnell ein und sind nicht mehr gut bewegbar. Einzelne Seiten kann man in diesem Zustand gar nicht mehr voneinander trennen oder blättern.

Besonders schwierig ist der Umgang mit Kunstdruckpapieren. Werden diese nass, so muss man darauf achten, diese Seiten bis zum Einfrieren feucht zu halten, denn trocknen diese an, verbinden sich die Seiten unlöslich miteinander.

Schimmelgefahr besteht bereits nach 24 bis 48 Stunden

Der Zeitfaktor ist besonders im Hinblick auf die Schimmelgefahr für das Papier wichtig. Schimmelgefahr besteht bereits nach 24 bis 48 Stunden – je nach Witterungslage. Mit Schimmel kontaminierte Materialien bedürfen einer aufwändigen Nachbearbeitung mittels einer Trockenreinigung. Somit ist es enorm wichtig, nass gewordene Objekte so schnell wie möglich einzufrieren, um ein etwaiges Schimmelwachstum zu verhindern oder auch schnellstmöglich zu stoppen.

Beschädigte Bücher und Akten so schnell wie möglich bergen und einfrieren oder lufttrocknen, da es je nach Witterung nach Ablauf von 24 bis 48 Stunden zu Schimmelbildung kommt!

Zusätzliche Schäden sind bei Überschwemmungen oder Rohrbrüchen durch die zusätzliche Kontamination des eindringenden Wassers durch Schlamm, Öl oder Exkremente zu befürchten. Wird eine Bergung mit solchen Zusatzbelastungen durchgeführt, muss besonders auf den ausreichenden Arbeitsschutz der Bergekräfte (TRBA 240) geachtet werden.

 

Die Bergung. Was vor der Bergung geschehen muss:

Die Sicherheit der Personen hat immer Vorrang!

Erst wenn die Feuerwehr oder die anderen Rettungskräfte den Bereich freigegeben haben, darf eine Bergung erfolgen.

Da immer mit Kontaminationen gerechnet werden muss, haben sich alle Bergungskräfte ausreichend nach der TRBA 240 mit einer persönlichen Schutzausrüstung zu versorgen. Die Bergekräfte sollten sich mit Einweganzug, Einweghandschuhen (Latex, Nitril oder Vinyl), Gummistiefeln und vor allem einem ausreichenden Mundschutz der Spezifikation FFP3 ausstatten.

Alle Bergungskräfte müssen vor dem Beginn der Arbeiten eine Sicherheitsbelehrung absolvieren, in der auf die besonderen Gefahren, den Arbeitsschutz und den Ablauf der Bergung und Erstversorgung eingegangen wird.

Nach der Sichtung der vorgefundenen Situation teilt der Bergungsleiter bzw. Notfallbeauftragte die teilnehmenden Personen in die einzelnen Arbeitsgruppen ein:

  • Die erste Gruppe wird zumeist die Bergung direkt am Regal vornehmen und die Objekte in Interimsbehältnisse einbringen.
  • Die zweite Gruppe wird die Transporte zwischen Bergung und Erstversorgung bewerkstelligen, sowie die Transporte nach der Erstversorgung durchführen.
  • Die dritte Gruppe ist für die Erstversorgung und Verpackung der Kulturgüter zuständig.

Das beinhaltet die Bergung:

  • Zu bergende Objekte sind in ihrem vorgefundenen Zustand zu belassen. Geschlossene Bücher, Akten oder Ordner bleiben geschlossen, aufgeschlagene bleiben offen und werden so verpackt.
  • Wassergeschädigte Objekte sollten wegen ihrer Empfindlichkeit nicht geöffnet und möglichst wenig bewegt werden!
  • Verpackungsmaterial nur entfernen, wenn dies ohne Schädigung der Objekte möglich ist. Archivkartons können auch mit eingefroren und gefriergetrocknet werden.
  • Nur leicht feucht gewordene Bestände können im geringen Umfang luftgetrocknet werden. Das benötigt jedoch viel Platz zum Auslegen und eine gute Luftzirkulation.
  • Einzelblätter sind in der vorgefundenen Ordnung zu belassen. Nicht im nassen Zustand bewegen oder blättern.
  • Die Bergung erfolgt von oben nach unten, da durch das Gewicht der nassen Materialien sonst die Gefahr des Umkippens der Regale besteht.
  • Nasse Bündel dürfen nicht verschnürt werden.
  • Eine erste Dokumentation (zum Beispiel Regal oder Auffinde-Ort) kann nötig werden.
  • Geborgene Güter sorgsam in Interimsbehältnisse verpacken und zur Erstversorgungsstation transportieren.

Die Erstversorgung. So richten Sie die Erstversorgungsstation ein:

Die Bestückung erfolgt zumeist aus den Notfallboxen.

  • Große, abwaschbare Tische
  • Fließendes Wasser, Becken mit Abfluss und Gitter
  • Abrollmöglichkeit für Stretch-Folie
  • Müllsack an der Seite des Tisches ankleben
  • Cutter, Schere, Spatel, Schwämme, Pinsel, Papiertücher oder -rollen, Mullbinden
  • Löschkartonagen in Zuschnitten
  • Verpackungsmaterial: Stretch-Folie, dickere Baufolienabschnitte, Müllsäcke, Folienbeutel
  • Dokumentationsmaterial. Wasserfeste Stifte, vorgedruckte Listen, Bleistifte, Aufkleber, Schreibblöcke, Fotoapparat oder Handy zur Fotodokumentation

Die Papierobjekte müssen für das Einfrieren in stabilen Plastik- oder Gitterboxen verpackt werden. Gut eignen sich stabile Plastikkisten, man sollte jedoch keine Gitter-Klappboxen verwenden, da der Klappmechanismus beim Einfrieren beschädigt werden kann.

Die Boxen sollten generell nicht zu schmal sein, damit die Objekte, ohne sie zu quetschen, gut hineinpassen. Umzugskisten eignen sich auch. Verpackt man jedoch nasses Gut, müssen die Kisten vor der Benutzung mit Folie ausgekleidet werden, um nicht durchzubrechen.


So versorgen Sie Ihr Sammlungsgut an der Erstversorgungsstation:

Es lohnt sich, die Materialien an der Erstversorgungsstation so gründlich wie möglich vorzubereiten, denn dadurch spart man sich viel Zeit und Aufwand in der Nachbereitung.

Die Medien sollten wenn möglich sauber und gerade (also nicht verquetscht oder verschoben) eingefroren werden.

Etwaiger Schmutz sollte gründlich, aber schonend, unter fließendem Wasser abgespült werden. Verbackener Schmutz, welcher eingefroren und auch gefriergetrocknet wird, „frisst“ sich regelrecht in die Materialoberfläche hinein und kann nur noch mit hohem restauratorischem Aufwand entfernt werden.

Wichtig: Kontaminierte Objekte (Öl, Diesel) separat verpacken. Hier ist eine spezielle Behandlung bei der Trocknung nötig, wofür ein Restaurator zu beauftragen ist.


 

Mit diesen Sofortmaßnahmen retten Sie Ihre verschiedenen Medien im Notfall:

    Bücher und Akten im leicht feuchten oder klammen Zustand:

    • Bücher oder gebundene Akten in den Bergungsräumen senkrecht und im aufgefächerten Zustand hinstellen.
    • Trocknungsmaßnahmen mit Föhn oder Ventilator unterstützen (Kaltluft).
    • Bei Büchern oder Akten, welche sich nicht aufstellen lassen, diese flach hinlegen. Etwa alle 25 Blatt dünnen Löschkarton zwischen die Seiten legen. Etwa nach einer Stunde austauschen.
    • Beachten Sie, dass ein feuchter Rückenbereich sehr schlecht trocknet → Besser einfrieren.

    Bücher und Akten im teilweise nassen Zustand:

    • Löschkarton zwischen die betroffenen Stellen legen. Aufgefächert in einem gut belüfteten Raum trocknen lassen!
    • Besser: Einfrieren!

    Bücher und Akten im nassen Zustand:

    • Einfrieren! Bücher sollten in kleinen Konvoluten (nicht höher als 10 cm) in Folie verpackt oder abgetrennt, liegend oder wenn stabil genug auch stehend, gestapelt werden, um Deformationen zu vermeiden.
    • Tipp: Mit Mullbinden umwickeln, um das Verziehen der Buchdeckel während der Trocknung zu verhindern. Bei Leder oder Pergamenteinbänden unbedingt mit Mullbinden stabilisieren.
    • Stabilisierung auch mittels Papiermanschetten möglich → Stabiles Papier um die Buchblöcke legen und ohne Kontakt zum Original verkleben.

    Einzelblätter, Urkunden und Fotos im feuchten oder nassen Zustand:

    • Blätter auf Löschkarton auslegen (Bildschicht nach oben) oder über Wäscheleine hängen (keine Wäscheklammern verwenden!).
    • Pergament wenn möglich nicht einfrieren (ist aber möglich, wenn die Menge zu groß ist).

    Einzelblätter, Urkunden und Fotos im sehr nassen Zustand:

    • Blätter mit Schriftseite nach oben auf Löschkartons legen.
    • Größere Mengen Einzelblätter oder Fotos können in kleinen Einheiten verpackt in Polyethylen-Beuteln eingefroren werden.

    Einzelblätter, Urkunden und Fotos mit ausblutenden Tinten oder Farben:

    • Blätter separieren, mit der Schriftseite nach oben auf Löschkartons legen, mit Löschkarton abgautschen oder mit Kaltluft föhnen.

    Gestrichene Papiere im leicht feuchten Zustand:

    • Blätter im feuchten Zustand vorsichtig auseinanderziehen.
    • Löschkartonstreifen zwischen jede Seite legen, so dass die Seiten aufgefächert bleiben, damit Luft dazwischenkommt und die Bücher aufgestellt trocknen lassen.

    Gestrichene Papiere im feuchten oder nassen Zustand:

    • Einfrieren! Objekte mit Folie oder Plastiktüten feucht halten, bis diese eingefroren werden können, da diese sonst verblocken!

    CDs oder Glasplatten:

    • Mit destilliertem Wasser abspülen, auf Löschkartons trocknen lassen, Schichtseite nach oben.
    • CDs leicht trockenwischen, jedoch nicht kreisförmig, wenn möglich nicht einfrieren.

    DVDs, Filme, Audiomaterial im nassen Zustand:

    • Einfrieren! Objekte mit Folie oder Plastiktüten feucht halten, bis diese eingefroren werden können, da diese sonst verkleben!

     

    So bereiten Sie Ihre Objekte für das Einfrieren vor:

    • Bücher, Einzelblätter oder gebundene Akten paketweise in Stretch-Folie einwickeln. Einmaliges Umwickeln reicht!
    • Keine zu großen Packmengen bilden! Die Päckchen sollen nicht höher als 10 cm sein, sie passen sonst nicht in die Gefriertrocknungsanlage oder übertrocknen.
    • Anschließend die Bücher oder Akten mit dem Rücken nach unten in die Kisten packen oder idealerweise liegend stapeln. Möglich ist auch, als Zwischenlage jeweils eine dickere Bau-Folie oder Müllbeutel zu verwenden. Also eine Lage Bücher in die Kiste oder Gitterbox, eine Lage Folie und dann eine weitere Lage Bücher oder Akten. Das spart Einstretch-Aufwand, gerade bei gebundenen Sammlungsgütern ist diese Art des Einpackens zu bevorzugen.
    • Aufgeschlagene Bücher oder Großformate separat mit Folie umwickeln und verpacken. Daran denken, dass die Folie bei der Gefriertrocknung abgenommen wird. Demnach nicht so viel Aufwand mit der Verpackung betreiben. Wichtig ist nur, dass die Folie verhindert, dass zu große Päckchen zusammenkleben.
    • Behältnisse und Beutel mit Etiketten und wasserfesten Folienstiften kennzeichnen!
    • Kartons zu 4 Stück je Lage auf Europaletten (80 x 120 cm) stapeln. Umzugskartons mit Folie auslegen und für das Stapeln ganz vollpacken!
    • Kartonstapel auf der Palette mit Stretch-Folie oder Klebeband umwickeln, um den Turm zu stabilisieren.

    Dokumentieren Sie Ihre Bestände.

    Ein äußerst wichtiger Arbeitsschritt ist die ausreichende und sinnvolle Dokumentation der Bestände.

    Die Art der Dokumentation richtet sich immer nach dem Signatursystem des Hauses. Bei der Notfallplanung sollte unbedingt eine gute Möglichkeit der Dokumentation entwickelt und so gut wie möglich vorbereitet werden. Dies kann durch vorbereitete Listen geschehen, welche sich in den Notfallboxen befinden.

    Sehr gut bewährt hat sich auch die fotografische Dokumentation. Entscheidet man sich für diese Art und Weise, muss man jedoch auch eine fehlerfreie Speicherung der Daten sicherstellen. Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, die einzelnen Bergungseinheiten anhand der Signatur zu verzeichnen und diese zusätzlich in den Bergungskisten anhand einer fortlaufenden Nummer zu verorten.

     

    Der Ablaufplan für die Bewältigung eines Notfalls

    1. Feststellung des Notfalls

    a) Automatische Feststellung durch Rauchmelder (selbsttätige Auslösung)

    b) Persönliche Feststellung durch Mitarbeiter

         während der Dienstzeit:

    • Warnung und Alarmierung der Kollegen, die sich im Haus befinden.
    • Meldung an den Notfallbeauftragten oder seinen Stellvertreter. Wenn beide nicht erreichbar sind → selbstständige Alarmauslösung gemäß Alarmplan.

         außerhalb der Dienstzeit:

    • Alarmauslösung gemäß Alarmplan (durch Sicherheitsfirma)

     

    2. Abschätzung des Notfalls durch den Notfallbeauftragten

    Art und Ursache des Notfalls?

    • Brand. Zum Beispiel im Magazin-, Büro- oder Werkstattbereich
    • Wassereinbruch. Zum Beispiel durch Leck oder Rohrbruch, Überschwemmung, Rückstau in der Kanalisation bei Unwetter
    • Sonstiges

    Wie schwer ist der Notfall?

    • Ist der Notfall intern zu bewältigen oder muss Hilfe von außen angefordert werden?

     

    3. Alarmauslösung. Je nach Schwere des Notfalls gestaffelt

    Alarmierung der Hilfsdienste (sofern nicht schon automatisch erfolgt)

    •      Feuerwehr 112
    •      Polizei 110
    •      Störungsdienst von Versorgungsunternehmen, Technischer Service (Telefonliste)

    Alarmierung und Evakuierung der noch im Gebäude befindlichen Personen

    • Telefonanlage, mündliche Mitteilung

    Alarmierung der (noch nicht anwesenden) Mitglieder der Notfallgruppe des Hauses, der Leitung und der Verwaltung

    • Mittels Telefonkette → Nummern im Alarmplan

    Die alarmierten Personen sammeln sich an dem Treffpunkt für Notfälle → Sammelpunkt.

    Überprüfung des an dem Treffpunkt versammelten Personals und der Benutzer auf Vollzähligkeit. Siehe auch Brandschutzordnung.

     

    4. Einweisung der Hilfsdienste durch die Notfallgruppe der Einrichtung

    Gegebenenfalls unter Verwendung von:

    • Einsatzplan für die Feuerwehr mit Prioritäten. Prophylaktisch mit der örtlichen Feuerwehr zu erarbeiten und abzustimmen.
    • Gebäudegrundrissen, Orientierungsplänen, Aufstellungsplänen
    • Schalt- und Leitungsplänen → Technischer Leiter

     

    5. Bekämpfung des Notfalls

    Durch die Feuerwehr, Rettungskräfte

     

    6. Grobanalyse der Schäden und Dokumentation

    Nach Ende der Notfallbekämpfung und der Freigabe durch die Feuerwehr

    • Erste Begehung des Schadensortes durch die Verantwortlichen → Notfallbeauftragter, Verwaltung, Leitung
    • Genaue Dokumentation des Schadens in Bild, Ton und schriftlich → Schadensprotokoll
    • Meldung des Schadens an die Versicherung. Wenn notwendig, zum Beispiel bei Ausstellung, mit externen Leihgaben.

     

    7. Arbeitsplanung

    Erste Fragen:

    • Schäden im Haus behebbar, zum Beispiel kleine Wasserschäden?
    • Gefriertrocknung notwendig?
    • Reicht die Kapazität von vorhandenen Kühltruhen aus, oder muss zusätzlich Kühlraum angemietet werden → Kühlhaus, Dienstleister?
    • Wie viele Hilfskräfte werden benötigt? Müssen auch externe Kräfte hinzugezogen werden, zum Beispiel Notfallverbund?
    • Müssen noch zusätzliche Materialien besorgt werden, oder reichen die Notfallboxen aus?

     

    Die folgenden Maßnahmen (Punkt 8-10) müssen parallel ablaufen.

     

    8. Organisatorische Maßnahmen

    Heranziehung und Benachrichtigung interner und externer Hilfskräfte

    • Bergungskräfte zusammenziehen → intern, Notfallverbund, etc.
    • Technisches Hilfswerk
    • Bundeswehr
    • Dienstleister
    • Umzugs- und Transportunternehmen für Transport zum Kühlhaus

    Information von Liegenschafts- und Hochbauamt (wegen Statik)

    • Bei größeren Schäden wichtig, da die Bausubstanz gefährdet sein könnte!

    Reservierung und Vorbereitung von externen Lagerflächen

    • Sporthalle, Mensa, Flure zum Trocknen für kleine Mengen und Fotos, Urkunden, etc.
    • Kühlhaus
    • Sonstige Lagerräume, zum Beispiel Uni- oder Stadtverwaltung anrufen und nach freien Räumen fragen

    Organisatorische Absprache mit der Verwaltung und Versicherung

    • Sicherstellen, dass alle Maßnahmen auch im Sinne der Versicherung sind und der Versicherungsschutz nicht gefährdet wird!

     

    9. Beschaffungsmaßnahmen notwendiger Geräte und Materialien, die nicht im Notfallkoffer enthalten sind oder die in größeren Mengen benötigt werden

    • Verpackungsmaterialien. Polyethylen-Folie, Kartons, Bau-Folie
    • Transportmaterialien von der Umzugsfirma. Umzugskisten, Paletten, Gitterboxen
    • Transportmittel. Sackkarren, Hubwagen, Dachdeckeraufzug
    • Persönliche Ausrüstungsgegenstände für die Arbeitskräfte. Arbeitsmäntel, Papieroveralls, Staubmasken, Handschuhe
    • Technische Hilfsmittel. Notstromaggregate, Wasserpumpen, Gebläse, Allzwecksauger,
    • Halogenleuchten, Kabeltrommeln, Entfeuchter

     

    10. Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Sammlungsguts und Bergung

    Sicherung des unbeschädigten Sammlungsguts

    • Einleiten von Sicherungsmaßnahmen → Verlagerung unbeschädigter Bestände, Schutz mit Plastikfolien, Aufstellen von Luftentfeuchtern, Sicherung beschädigter Türen und Fenster

    Sicherung des geschädigten Sammlungsguts

    • Ständige aktualisierte fotografische Dokumentation der Situation
    • Sortierung nach Schadenskategorien, Material – und eventuell Bestandszugehörigkeit
    • Auflistung der geschädigten Objekte mittels Fotos, Excel- oder handschriftlicher Liste

    Erstmaßnahmen bei kleineren Wasserschäden

    • Lufttrocknen, Glätten, Einpressen (eventuell Nachbehandlung)

    Maßnahmen bei größeren Wasserschäden

    • Sachgerechte Verpackung des wassergeschädigten Sammlungsguts in Polyethylen-Folie zum Tiefgefrieren. Siehe Handling der beschädigten Bestände
    • Verpackung in Kartons oder Kisten. Packgewicht beachten
    • Jeweils genaue Beschriftung aller Verpackungseinheiten
    • Stapelung der Kisten auf Paletten. Nicht zu hoch, Paletten stretchen!
    • Vorbereitung zum Abtransport zum Dienstleister oder direkt ins Kühlhaus

     

    11. Transport zum Dienstleister oder Kühlhaus

    Wenn die Sammlungsgüter eingefroren sind, hat man Zeit, um sich über die nachfolgenden Maßnahmen Gedanken zu machen.

    Die Lagerung im Kühlhaus kostet nicht viel, stoppt etwaiges Schimmelwachstum sowie das Auslaufen von Farben und Tinten. Das Einfrieren sollte bei mindestens -20 °C erfolgen.

     

    12. Gefriertrocknung der stark wassergeschädigten Bände

    Die schonende Gefriertrocknung sollte immer die erste Wahl bei der Trocknung größerer Mengen an Sammlungsgut sein. Die Wärme- oder Mikrowellentrocknung erreicht zu hohe Temperaturen und bedeutet Stress für das Papier → Stichwort künstliche Alterung.

     

    13. Konservierung und Restaurierung des Sammlungsguts

    Schadensanalyse

    • Sortierung der Schäden. Restaurierung, Neubindung, Neukauf
    • Schätzung des Schadens. Versicherung

    Arbeitsplanung

    • Beantragung außerplanmäßiger Haushaltsmittel über die Verwaltung
    • Rücksprache mit Leitungsebene und eventuell Versicherung
    • Kontakte zu externen Restaurierungsstätten herstellen
    • Kontakte zu anderen Dienstleistern herstellen. Massenrestaurierung, Verfilmung

    Konservatorische Maßnahmen

    • Reinigung
    • Neubindung, Nachkauf
    • Nachbehandlung nach Gefriertrocknung. Glätten, Pressen, Reinigung
    • Geruchsbehandlung. Auslüften
    • Verpackung in alterungsbeständige Verpackung nach DIN ISO 16245-A
    • Verfilmung oder Digitalisierung

    Restaurierung

    • in eigener Werkstatt
    • in externen Werkstätten

    Wiedereingliederung in den Bestand

     

    14. Ermittlung der Gebäudeschäden  

    Hochbauamt, Liegenschaftsamt Verwaltung

    • Statik
    • Beleuchtung, Heizung, Klimaanlage, Wasserversorgung
    • giftige Abgase, zum Beispiel Dioxine

     

    15. Reparaturplanung

    • Wiederherstellung des vorherigen Zustands
    • wünschenswerte und/oder notwendige bauliche Veränderungen

     

    16. Planung des Dienstbetriebs für die Zeit der Reparatur

    • Suche nach geeigneten Ausweichräumen (Magazine, Büros) zusammen mit der Verwaltung
    • Beantragung von Mitteln für den Umzug und für die Ersatzbeschaffung von Mobiliar

     

    17. Dienstbetrieb während der Reparatur

    • Sicherung des in den unbeschädigten Gebäudeteilen untergebrachten Sammlungsguts
    • Bezug der zugewiesenen Ausweichräume
    • Organisation eines geregelten Dienstbetriebs
    • Information der Öffentlichkeit

     

    18. Instandsetzung der beschädigten Räumlichkeiten (Bauamt)

    • Aufräumarbeiten und eventuell weitere Bergungen
    • Überwachung durch Betriebsangestellte

     

    19. Neueinrichtung der instand gesetzten Räume

    • Magazine
    • Dienstzimmer
    • Lesesaal, Ausstellungsbereich
    • Werkstätten

     

    20. Umzug aus den Ausweichquartieren in die alten Räumlichkeiten

     

    21. Wiederaufnahme des normalen Dienstbetriebs


    Fazit:

    Schnelles und umsichtiges Handeln ist das A und O einer erfolgreichen Notfallbewältigung. Holen Sie sich im Fall der Fälle Hilfe durch Fachleute und Restauratoren, welche auch bei schwierigen Materialien und Dekontaminationen Hilfestellung leisten können.

    Der Schutz der Personen hat Vorrang, aber auch die teilweise unersetzlichen wertvollen historischen Sammlungsgüter sollen gerettet und so wenig wie möglich beschädigt werden.

    Autorin der 4-teiligen Themenreihe Notfallmanagement für Archive, Bibliotheken, Museen und Verwaltungen ist Jana Moczarski, staatlich geprüfte Restauratorin